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12/2011 | Europan 11 – Wittstock/Dosse

Wittstock/Dosse
Zwei Elemente prägen das Bild von Wittstock. Zum einen ist es die historische Altstadt mit ihrer kleinteiligen mittelalterlichen Struktur und den markanten Hochpunkten die sich in der Stadtsilouette wieder spiegeln, wie die St. Marien Kirche, dem Rathaus und der Stadtmauer mit dem Wehrturm.
Zum anderen prägt der Grünbereich des ehemaligen Wallbereichs das Stadtbild der die Altstadt umschließt. Der heute entstandene Grünring weist unterschiedliche Qualitäten auf. Im Osten ist das Element „Wasser“ mit dem Dosseteich das prägende Element, im Süden bestimmt ein naturnaher Freiraum den Wallbereich und im Westen und Norden ist der Wallbereich wie ein Park angelegt.
Vor der Altstadt liegt die Wittstocker Vorstadt, die durch die Niederungen der Glinze und der Dosse sowie den stillgelegten Gleisanlagen, von der Altstadt getrennt ist. Der Freiraum stellt eine räumliche Barriere dar, ist aber gleichzeitig ein wesentliches Strukturelement der Gesamtstadt.
Stadt sehen, Stadt erkunden, Stadt erleben
Der Entwurf greift die stadtbildprägenden Elemente – Hoch-/Aussichtspunkte und den altstadtumschließenden Grünraum – auf, um eine Verknüpfung der Vor- und Altstadtquartiere herzustellen und die Stadteingänge in der Altstadt und Vorstadt zu akzentuieren.
Mit der Weiterführung einer gestalterischen Aufwertung und der Schaffung von neuen Grünräumen wird die Trennung zwischen der Alt- und Vorstadt reduziert, ohne dabei den historischen Charakter des Raumes zu beeinflussen.
Die neu geschaffenen „ZwischenStadtRäume“ ergänzen mit ihren Nutzungen und Funktionen die vorhandenen Stadträume und deren Qualitäten.
Sie unterstützten die vorhandenen identitätsprägenden Elemente und bilden neue Identifikationsorte für die Bürger und Besucher.
Ziel ist es, das die Bewohnerschaft der Stadt Wittstock, ihre Stadt und ihre Region mit neuen Augen sieht, das Gesehene erkundet und die neuen Orte und Räume erlebt.
Dabei dienen die neuen und alten Hoch- und Aussichtspunkte, die in der gesamten Stadt und im Umland verteilt sind, einerseits dazu Gewohntes aus neuen Perspektiven zu sehen und andererseits gerade die Stadteingänge mehr in den Mittelpunkt zu rücken. Den Stadteingängen kommt im Konzept eine weitere Funktion zu, da diese an prägnanten Orten im Stadtgebiet liegen. Von den Stadteingängen kann man auch zu Erkundungen starten, über das bloße Sehen hinaus. Aus diesem Grund bilden sie im gesamträumlichen Konzept wichtige Ankerpunkte.

Diese Ankerpunkte außerhalb der historischen Innenstadt stärken zusätzlich das Zusammengehörigkeitsgefühl und verbinden indirekt auch räumlich die verschiedenen Stadtbereiche.
Weitere wichtige Ankerpunkte stellen prägnante und schon immer im Stadtbild dominierende Gebäude dar. In Wittstock sind das zum einen die Alte Brauerei, das Bahnhofgebäude, das Rathaus etc. Vielen Besuchern sind gerade die leerstehenden Gebäude nicht präsent, jedoch das bloße in Szene setzten dieser Gebäude attraktiviert und aktiviert diese.
Eine solche Aktivierung kann zusätzlich durch eine (temporäre) Nutzung, zum Beispiel als Rad- oder Infostation geschehen und erhöht so den Identifikationswert. Dadurch entstehen Impulse für das umgebende Quartier und schließlich für die gesamte Stadt.
Anlass für die Installation von Radstationen ist das gut ausgebaute Rad-und Fußwegenetz rund um Wittstock, durch das viele verschiedene Ziele erkundet werden können.
Einen dritten Anker in der gesamtstädtischen Konzeption stellen stadtweite Infotafeln dar, die Besucher führen, lenken und informieren und so nicht nur beim Erkunden sondern auch beim Erleben von Wittstock unterstützen.

Der Bahnhof und sein Umfeld ist durch unterschiedliche Bereiche aus teilweise undefinierten Räumen geprägt. Zusätzlich trennen die von Ost nach West verlaufenden Bahngleise das gesamte Areal und trennen zusätzlich die Altstadt von der südlichen Vorstadt.
Im Norden befindet sich der große Parkplatz und daran westlich anschließend der Busbahnhof. Beide zusammen bilden einen wichtigen Anlaufpunkt für den motorisierten Verkehr und stellen zusammen mit der Bahnstation einen wichtigen Bereich des westlichen Stadteingangs für Wittstock dar.
Nördlich der Bahngleise dominieren die drei ehemaligen Bahngebäude den Bereich. Die Gebäude sind derzeit von einer großen unstrukturierten einheitlich asphaltierten Fläche umgeben, die keine klaren ablesbaren Bereiche erkennen lässt. Zukünftig sind in allen drei Gebäuden unterschiedliche Nutzungen geplant, wodurch eine gewisse Eigenständigkeit unabdingbar ist. Deshalb erhält jedes Gebäude einen klar definierten Bereich/Platz, welche durch unterschiedliche Pflasterungen und Bepflanzungen definiert sind.
Durch die neue Nutzung des westlichen Gebäudes als Rad- und Wanderhostel entsteht ein weiterer wichtiger Anlaufpunkt für alle Reisenden an diesen Ort. Das ehemalige Empfangsgebäude wird zukünftig das Stadt- und Kirchenarchiv beherbergen und so den kulturellen Anker im nördlichen Bereich der Bahngleise bilden. Der östlich davon befindliche Schuppen dient den Bahnreisenden und den Pendlern als Unterstellmöglichkeit für Fahrräder und Gepäck. Zugleich können dort gegen einen Pfand Fahrräder von Touristen ausgeliehen werden.
Eine neue Brücke über die Bahngleise – beginnt in Norden zwischen dem ehemaligen Bahngebäude und dem Schuppen und endet im Süden im Gleispark – wird nicht nur die beiden ehemaligen Bahnbereiche miteinander verbinden sondern man gelangt aufgrund der Lage auch direkt von der Innenstadt in diesen bisher brachliegenden Bereich, der als Gleispark und KurlurBahnhof eine Nutzung bekommt.
Die denkmalgeschützten Gebäude südlich der Bahngleise, können ideal für Kultur- und Jugendarbeit nachgenutzt werden und stellen als KulturBahnhof einen neuen großen Identifikationsort für die gesamte Stadt dar.

Der Wasserturm dient dabei als visuelles Erkennungsmerkmal, der schon von weiten sichtbar ist.
Der ehemalige Lockschuppen wird zukünftig Bands und Musikvereinen einen Platz zum Proben bieten. Zusätzlich kann die ehemalige Drehscheibe davor als Bühne genutzt werden.
Das Gebäude westlich des Lockschuppens wird als Eventhalle umgenutzt. Die Treppe der Überführung endet direkt auf dem Platz vor der neuen Eventhalle, sodass der Platz als Bühne und die Treppe als Sitzmöglichkeiten genutzt werden können.
Etwaige Lärmschutzwände erhöhen die Verträglichkeit des Geländes und der geplanten Nutzung gegenüber der südlichen Wohnbebauung. Die Wände dienen neben dem Lärmschutz, auch als Fläche für Open Air Kino, Kunstinstallationen oder Kletterwänden.
Der westliche Bereich, in dem ehemals zahlreiche Gleise verliefen, wird zu einem Gleispark umgestaltet und kann den Bewohnern der Stadt als aktiver Freiraum mit unterschiedlichsten Nutzungen zur Verfügung stehen. Zusätzlich erweitert sich dadurch das Freiraumnetz der Stadt. Der Gleispark nimmt Nutzungen auf, die es bisher im Stadtgebiet bzw. in den Freiräumen noch nicht gibt. Er beinhaltet die sportlichen aktiven Nutzungen, wie eine Skatebahn, ein Beachvolleyballfeld und weitere Aktivfelder.

Der Stadteingang an der Kyritzer Straße ist besonders durch funktionale und räumliche Defizite geprägt.
Die Umgestaltung des Kreisverkehrs erzielte eine erste Aufwertung des Eingangsbereichs. Die räumliche Fassung ist bisher jedoch nur auf drei Seiten realisiert. Gerade zur Altstadt hin fehlt eine Kante und damit eine räumliche Führung zur Altstadt, damit diese auch wahrnehmbar ist.
Des Weiteren stellt der leerstehende Wohnblock an der östlichen Seite ein Problem dar, da sein Wohnungsangebot nicht der Nachfrage entspricht.
Der Wohnblock wird mit Hilfe der in Aussicht gestellten Fördergelder abgerissen und durch einen neuen Baukörper ersetzt, um die Raumkante weiter zu erhalten.
Der neue Baukörper schafft Raum für bedarfsgerechten Wohnraum. Angelehnt an die umliegende Bebauung entsteht an dieser Stelle Wohneigentum in Form von Stadt-Reihenhäusern, die in ihrer Typologie der umliegenden Bebauung entsprechen. Dabei können sowohl barrierefreie Wohnungen als auch Maisonettes entstehen. Die Bandbreite der Bewohnerschaft reicht dabei von klassischen Hauseigentümern bis hin zu Baugemeinschaften.
Die verkehrliche Erschließung erfolgt dabei wie in der angrenzenden Bebauung vorzufinden rückwärtig über den Schwarzen Weg, an dem die entsprechenden Stellplätze und Garagen zu finden sind.
Zwischen der straßenbegleitenden Bebauung und den rückwärtigen Park- und Stellplätzen erstrecken sich private Freiräume, die, geschützt vor dem Umgebungslärm der Straße, die Wohnqualität maßgeblich bestimmen.
Die westliche Straßenseite ist durch eine heterogene Bebauung geprägt, die den Raum weniger stringent fasst. Dabei fällt vor allem die Alte Brauerei mit ihrer vorgelagerten Lieferzone ins Auge. Das zurückspringen in die zweite Reihe betont das historische Überbleibsel zusätzlich.
Als Wahrung der Geschichte des Ortes, wird der ehemalige Vorbereich als Platz umgestaltet. Die Raumkante wird durch Informationsstelen gefasst. Ein zusätzlicher Aussichtspunkt bildet den außerinnerstädtischen Anker und verbindet so die Innenstadt mit dem vorgelagerten Stadteingang. Zugleich ist er von weiten sichtbar und bildet zusätzlich einen Anker in das nahe Umland. Das Gebäude der ehemaligen Brauerei und der Platz dienen dabei als Anlauf- und Informationspunkt für Besucher oder Durchreisende entlang der L14/L15. Dort können Stadtfahrräder gemietet und die Innenstadt sowie das Stadtgebiet erkundet werden.


Die Baulücken in der Werderstraße sind durch zwei Probleme geprägt. Zum einen fehlt im großen Bereich der Werderstraße eine räumliche Kante und zum anderen werden die Blockinnenbereiche durch die flächigen Parkplätze stark versiegelt, was die Wohn- und Lebensqualität im engen historischen Stadtgefüge zusätzlich schwächt.
Um beide Probleme lösen zu können, genügt es nicht nur die Baulücken entlang der Straße zu schließen. Vielmehr schafft eine neue öffentliche Straße, durch den ehemaligen Innenbereich, ein neues Quartier, das durch eine Mischung von Wohnen, Arbeiten und kultureller Nutzung die ganze Innenstadt qualitätsvoll stärkt.
Die Straße verbindet dabei die jetzige Einfahrt zum Parkplatz mit einem neuen öffentlichen Quartiersplatz und mündet im Westen in die Sankt-Marien-Straße. Der wegfallende Wohnraum, durch das abzureißende Gebäude an der Sankt-Marien-Straße, kann in der Werderstraße in zeitgemäßer Qualität adäquat ersetzt werden.
So bildet gerade die im Süden der Baulücke geplante Typologie die adäquate Umsetzung der innenstadttypischen kleinteiligen Bebauung mit einer Mischung aus Wohnen und Arbeiten. Dabei können gerade die Erdgeschosse mit Büro- oder Gewerbeeinheiten oder auch Wohnen genutzt werden. Ebenso sind dafür klassische Wohneigentumsverhältnisse geplant. Bei einer dreigeschossigen Bebauung kann so ein familiengerechter Wohnraum zwischen 70 und 180 Quadratmeter Wohnfläche entstehen. Die Stellplätze könne problemlos auf den Grundstücken realisiert werden. Garten- bzw. Sommerhäuser in den hinteren Bereichen der Grundstücke erhöhen zusätzlich die Qualität der Freibereiche.
Die ehemals östliche Baulücke kann aufgrund der neuen Durchgangsstraße als Blockschließung in den ehemaligen Innenbereich, mit bedarfsgerechtem Mietwohnungswohnungsbau gedacht werden. Der Entwurf schlägt als Typologie eine dreigeschossige Laubengangerschließung vor, die alle 33 Wohnungen barrierefrei erschließt. Dabei können förderfähige 2- bis 4-Raum-Wohnungen von 50 bis 90 Quadratmeter Wohnraum angeboten werden. Der durch die Bebauung entstehende Innenraum, dient vornehmlich wohnungsnahen Grünflächen und bietet zugleich Platz für barrierefreie Stellplätze.
Der entstehende öffentliche Platz erweckt das Kino Astoria aus seinem Hinterhofdasein und schafft mit einem neuen Eingangsbereich eine neue Adresse in der Innenstadt. Daran schließt östlich ein Parkhaus an, das sowohl die weggefallenen Parkplätze ersetzt als auch den Bedarf durch den Mietwohnungsbau und die Kinobesucher decken kann. Aufgrund der vergleichsweise niedrigen Geschosshöhen des Parkhauses, passt sich dieses bei drei Parkebenen optimal in das innerstädtische Stadtbild ein.

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